Samstag, 14. April 2018

Miteinander ins Gespräch kommen


Mitte April 2018 war ich im Verkehrsmuseum.

Da hatte die Dresdner SPD-Stadtratsfraktion eingeladen zum Thema "Weichenstellung: Wirtschaften
für Dresdens Zukunft". Die Stadträtin Kristina Sturm hatte den Handwerkskammer-Chef Dittrich, den DGB-Chef Sachsens Schlimmbach und den Wirtschaftsminister Dulig zu Gast.
Über 1,5 h diskutierten im wesentlichen die Gäste angeregt miteinander. Mein Eindruck war, dass Frau Sturm Anregungen für ihre SR-Arbeit erhalten wollte, Ob sie das wohl erhalten hat ???
Ich bin zu der Diskussion hingegangen, weil ich etwas über die Wirtschaftspositionen der SPD erfahren wollte. Da habe ich leider nichts dazu gelernt, denn die Herren dominierten doch auf dem Podium.
Sei es wie es sei: Ich finde es gut, dass es solche Veranstaltungen von Parteien gibt, in denen öffentlich thematisch diskutiert wird. Und auch die Besucher (leider nur etwa 20) konnten sich zumindest kurz zu Wort melden.

Nachtrag:
In diesen Beitrag passt noch das folgende Erlebnis.
Vor einigen Wochen war im Ortsverband der Linken Laubegast der Geschäftsführer der "Wohnen in Dresden" zu Gast. Obwohl gut Werbung für die Veranstaltung gemacht wurde, kamen nur etwa 10 Gäste. Wie schade, denn es hat sich gelohnt. Herr Jäckel hatte einen informativen Powerpoint-Vortrag vorbereitet und der kleine Teilnehmerkreis ermöglichte eine intensive Diskussion.
Für mich besonders interessant, dass Herr Jäckel "zwischen den Zeilen" doch ziemlich deutlich zu verstehen gab, dass Zuschüsse für die Gesellschaft durch den Stadthaushalt in Zukunft nötig sein werden. ..

Samstag, 20. Januar 2018

Fröhliche Schulkinder im Theaterfoyer

Maik mit seinen Eltern - dem Geschäftsmann und der Alkoholikerin

Wie Tschick in der Gegenwart angekommen ist


Als Wolfgang Herrndorf 2010 seinen Jugendroman „Tschick“ veröffentlichte, konnte er vielleicht nicht ahnen, welch prachtvolles Spektakel die Landesbühnen Sachsen da zaubern würden. Vom Theater angekündigt als Rock-Oper, vom Film gehandelt als Roadmovie und den MDR-Kultur-Hörern als herzerfrischende Lausbubengeschichte bekannt, hat der Stoff den Komponisten Ludger Vollmer ermutigt, fast sämtliche Opern-Konventionen über den Haufen zu werfen. Und es tut der Geschichte gut. Möglicherweise liegt das auch daran, dass der Komponist mit der Librettistin Tiina Hartmann offensichtlich sehr gut zusammengearbeitet hat. 

Tanjas Party - Maik und Tschick sind nicht geladen
In 29 Szenen, die dramaturgisch raffiniert - Chapeau für Gisela Zürner – fast nahtlos, trotz Wechsel von Ort und Zeit, ineinander übergehen, erlebt der Zuschauer eine Serie von Sprüngen der Helden. Von der Verantwortungslosigkeit - ein Lada wird geklaut - über das Abenteuer - Begegnungen mit ausschließlich dem 1 Prozent guter Menschen in dieser zu 99 Prozent schlechten Welt – hinein in die Verantwortlichkeit führt der Weg vom Maik (Johannes Leuschner), Tschick (Michael Zehe) und Isa (Kirsten Labonte).  Diese Begegnungen sind von überwiegend sympathischer Verrücktheit. Alles ist ernst und komisch zugleich. Und große Gefühle werden nicht behauptet – wie in herkömmlichen Opern – sondern in der Entstehung glaubwürdig gezeigt. 

In der Rolle das Lada: ein Scooter
Ein Theater wie die Landesbühnen, oftmals zu Gast an vielen Aufführungsorten, kann selbstverständlich auch mit Gästen auf der Bühne souverän umgehen. Michael Zehe (Tschick) und Johannes Leuschner (Maik) fügen sich als Profis hervorragend ein in das Ensemble, wo Amateure (der Jugendchor des Gymnasiums Coswig) den hauseigenen Chor der Landesbühnen überzeugend verstärken. Und gerade die 24 Kinder und Jugendlichen unter der Leitung von Fanny Kaufmann brachten die Premiere zu einem besonders glanzvollen Abschuss, indem drei oder vier Schülerinnen der sechsten und siebenten Klasse nach dem Schlussbeifall durch Foyer hüpften, ja fast flogen, um Sebastian Ritschel (Inszenierung, Ausstattung, Licht) zu belagern und ihm für die offensichtlich wundervollen Proben-Monate zu danken, die sie – wie Tschick und und Maik – zwei bis drei Schritte – oder Sprünge(?) – ganz sicher menschlich voran gebracht haben. Das schafft wahrscheinlich keine Schule ohne Theater – und auch kein Theater ohne Schule. Die Autogramme des Meisters in ihren Tschick-Büchern können sie ein Leben lang daran erinnern, was man schaffen kann, wenn man von Leuten lernt, die etwas können. Ob sie den musikalischen Leiter Hans-Peter Preu ebenso belagert und umschwärmt haben, war im Foyer nicht ersichtlich und kann daher nicht überliefert werden. Ohne (etwas laute) Elblandphilharmonie wäre das Ganze jedenfalls nicht gegangen. 

Familie Friedemann
Sensationell auch die Maske (Andreas Billan, Astrid Mohr, Ines Zierenner), vor allem bei der skurrilen Gestaltung der schrägen Familie Friedemann, wo den flüchtigen Protagonisten ein urgesundes Bio-Mittagsmahl mit Kompott verabreicht wird – nicht ohne Tischgebet, was die Gäste ersatzweise mit einem Pioniergruß quittieren. Dass die Maskenbildner dabei offensichtlich auf Erfahrungen aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“-Aufführungen an der Felsenbühne zurückgegriffen haben, macht die Sache nicht schlechter sondern eindeutig lustiger. 

Die Reise durch den „Wilden Osten“ in die Walachei endet bekanntlich wie „Die Bremer Stadtmusikanten“, die auch nie nach Bremen gelangen, aber ganz zufrieden sind mit dem statt dessen erreichten.
Text: Reinhard Heinrich
Fotos: Matthias Rietschel


Nächste Aufführungen:

  • 03.03.2018 - Landesbühnen  (Radebeul)
  • 16.03.2018 - Kulturhaus Freital
  • 03.05.2018 - Kleines Haus (Dresden)


Montag, 10. Juli 2017

Zirkus und Traditionen

En Voyage - ein Zirkus war in Dresden

Vorbemerkungen

Wenn in Dresden ein Zirkus auf der Cocker-Wiese steht, dann ist das einen Anknüpfung an einige sehr alte Traditionen. Einerseits, was Dresden betrifft und andererseits, was den Zirkus betrifft.
Zirkus, das hieß bis zum 13. Februar 1945 für Dresdener hauptsächlich Sarrasani in der inneren Neustadt, das “Cirkus-Theater der 5.000”, erbaut vom sehr erfolgreichen früheren Dressur-Clown Hans Stosch-Sarrasani senior. Unter diesem Prinzipal arbeitete auch Otto Sailer-Jackson als Tierlehrer, der allerdings im Februar 1945 bereits Zoo-Inspektor, mit dem Geschäftsführer gemeinsam die Aufgaben des für den “Endsieg” zur Wehrmacht einberufenen Direktors erfüllen musste. Otto Sailer-Jackson, ein Schweizer Bub mit frühzeitiger Erfahrung als Präparator und Tierfänger, lernte bei Carl Hagenbeck die zahme Dressur von Wildtieren - ohne Peitsche, Revolver und Gebrüll. Carl Hagenbeck hatte sie 1890 in seinem Zirkus in Hamburg eingeführt, wobei ein großer Teil des Publikums natürlich nach wie vor den todesmutigen Dompteur in Angesicht der Bestien sehen wollte.
Otto Sailer-Jackson nannte sich jedoch offen und (selbst-)bewusst “Tierlehrer“. Er billigte dem Tier eine Individualität zu und übte keinen Zwang aus, um Tiere zu Kunststücken zu bringen. Gerade der natürliche Spieltrieb von Großkatzen bot ihm eine Fundgrube an Möglichkeiten. Wieder zu sehen war in der DDR die zahme Dressur bei Hanno Coldam (“Löwenrasur”) und der Dresdnerin Ursula Böttcher (NPT, weltweit erste und bisher einzige Frau, die Eisbären präsentierte, u.a. “Todeskuss”, “Tanz mit dem weißen Riesen“ - Böttger war nur 1,58m “groß“.

Einem Löwen mit süßem Eischnee die Mähne (zwecks “Rasur”) zu beschmieren oder einem Eisbären einen Leckerbissen von Mund zu Maul zu überreichen - das geht nicht mit eingeschüchterten oder auch nur unwilligen Tieren. Otto Sailer-Jackson schrieb, solche Vorführung funktioniere nicht mit unwilligem Müssen sondern nur mit “freudigem Dürfen”. Natürlich neigen auch Tiere gelegentlich zu kleinen Flegeleien. Darin besteht die Kunst des Tierlehrers, mittels körpersprachlicher Kommunikation das Tier auf später zu vertrösten, wenn Jux und Tollerei wieder angebracht sind. Rudolf Born (“Mein Tiger Bombay”, nicht zu verwechseln mit dem Dresdener Bildhauer und Hochschullehrer gleichen Namens) oder Georg Weiß, (“Start in die Manege”) dessen gemischte Raubtiergruppe von Ursula Böttcher 1960 zunächst betreut wurde, hatten die “zahme Dressur in der DDR so weit etabliert, dass die öffentliche Meinung keine “wilde Dressur” mehr erwartete. An die Stelle von Sensation, Furcht und Schrecken traten Witz, Sympathie und Bewunderung für das harmonische Zusammenspiel zwischen Tierlehrer und dem Tier. Es wurden sogar die charakterlichen Eigenarten der Tiere, ob Phlegma, Spaß am Schabernack oder hohe Sensibilität zum Gegenstand der Vorführung gemacht. Jeder nach seinen Fähigkeiten, “Jedem nach seinen Bedürfnissen“. - sozusagen.

Dresden vor Ostern 2017

Die Zeiten haben sich geändert. Als im Frühjahr 2017 auf der Cockerwiese in Dresden der “Circus
Voyage” sein Zelt aufbaut, wird in kostenlosen Werbeblättern der Vorwurf der “Tierquälerei” vorbeugend abgefedert.

Das klassische Zirkusunternehmen brachte nach Dresden einen bunten Mix aus Artistik, Dressur und Clownerie unter dem zusammenfassenden Titel "Circus unter Wasser". Tatsächlich eine nasse Angelegenheit, bei der allerdings mehr Artisten abtauchten als Tiere. Selbst das Flusspferd "Yedi" kam trockenen Fußes in die Manege - sein Reisebassin konnte man nur in der Tierschau besichtigen. Dessen ungeachtet verdient der Zirkus Respekt. Er sieht sich als Tierheim für exotische Großtiere und kann tatsächlich mit Erfolgen in der Haltung aufwarten. Das ist auch notwendig, denn seit den 1980er Jahren wurden nach Deutschland keine Tiere mehr importiert.

Alle Tiere, die heute im Zirkus beheimatet sind wurden entweder im Zirkus geboren oder kamen vor dem Washingtoner Artenschutzabkommen noch als Waisen (u.a. wurden die Eltern durch Wilderer getötet) nach Europa.
Die Vorstellung zeigte auch, dass sich die Zirkus-Leitung fast mehr um die Tiere sorgt als um die
Zuschauer. Die ehrfürchtige Ernsthaftigkeit, mit der die Vorstellung zelebriert wurde, konnte auch der Clown - natürlich maritim - als Matrose kostümiert, kaum aufhellen.
Dem Zirkus ist einfach mehr Fröhlichkeit zu wünschen. Und die muss wahrscheinlich vom Personal ausgehen. Möglich ist Freilich, dass "Tierschützer" den Machern ein wenig die Suppe versalzen haben. Anscheinend sollen die in Zoo oder Zirkus geborenen Tiere "artgerecht"- in freier Wildbahn - ihr Leben beschließen. Dann hätte Yedi nur eine statistische Lebenserwartung von 45
Jahren statt von 49 Jahren  "im Joch der Arena". Die Zebras und Giraffen dienen bekanntlich draußen als Löwenfrühstück und Zirkuspferde gibt es in freier Wildbahn überhaupt nicht. Müssen wohl ausgestorben sein. Genau wie sämtliche Hundearten, die der Mensch noch immer in Sklaverei hält.
Mein Eindruck war, dass die Zirkustiere durchaus mit ihrem "Beruf" einverstanden sind.

Quellen:
Sailer-Jackson: “Löwen, meine besten Freunde”,
Von Ende: Circenses - Spiele auf Leben und Tod, Henschelverlag Berlin, DDR, 1988
Fotos: http://www.circus-voyage.de




Sonntag, 28. Februar 2016

Vormerken: 26. März , Lyrik bei "nicht einmal 74 Kalorien", ab 18:30 Uhr


Die Prager Straße war früher eine der elegantesten und berühmtesten Adressen des alten Kontinents, die in einem Atemzug mit den Champs-Élysées, dem Kurfürstendamm oder dem Wenzelsplatz genannt wurde. [Stadtwiki Dresden]
Jeder Dresdner kennt es - das originale Streicheis der Familie Haselbauer. Im Herzen von Dresden - zentral in der St. Petersburger Str./Prager Zeile gelegen - befindet sich die Original Eisbar Heidi Haselbauer mit Familientradition in fünfter Generation seit 1872. Nicht weit entfernt von der Centrum Galerie, der Altmarkt-Galerie und der Frauenkirche.
Bis 19.00 Uhr können Getränke und die hervorragenden Eisleckereien bestellt werden.
19.00 Uhr wollen wir mit der Lesung beginnen. Ich lese aus meinem Lyrikband "AusGeatmet". Auch neue Arbeiten werde ich vorstellen.

Sylvia Kling

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